Leadership
Über Traumaufgaben, Eigenverantwortung und die Kunst, nicht auf Rettung zu warten
Kennt ihr das Gefühl auf der Suche zu sein nach dem eigenen Weg? Der eigenen Wirkung?
Und vielleicht kennt ihr auch diesen Gedanken:
Irgendwo da draußen wartete Prince Purpose.
Oder Princess Purpose. Je nach innerem Kino.
Eine Aufgabe, die Sinn macht.
Ein Ort, an dem man nicht ständig erklären muss, warum einem Dinge wichtig sind.
Ein Team, das ähnlich tickt.
Manche von uns haben ihn bereits gefunden und fühlten sich: endlich angekommen.
Prince Purpose war inspirierend. Zugewandt. Klug. Er stellte die richtigen Fragen, sprach über Zukunft und ließ Raum für Ideen.
Und genau das macht es kompliziert.
Denn sobald du jemanden schätzt, übernimmst du gern ein bisschen mehr. Du bist bereit Erklärungen zu suchen. Die Stimmung zu halten. Du denkst einen Schritt voraus, aus Verbundenheit.
So entsteht Nähe.
Und mit Nähe auch Verantwortung.
Prince Purpose bleibt dabei nicht stehen. Er entwickelt sich weiter, wächst, bekommt mehr Aufmerksamkeit, mehr Termine, mehr Themen. Vieles wird komplexer, schneller, dichter.
Und irgendwo unterwegs verschiebt sich etwas. Der mentale Load wandert. Man merkt es erst, wenn man abends noch über Gespräche nachdenkt, die längst vorbei sind.
Das bedeutet nicht, dass Prince Purpose unfair ist. Oft ist er schlicht beschäftigt. Oder überzeugt, dass du gewisse Aufgaben ja auch aus freien Stücken und gerne machst. Dass du vielleicht sogar dankbar bist.
Hier entsteht der entscheidende Moment: Der Moment der Eigenverantwortung.
Wer mit Sinn arbeitet, braucht eine aktive Rolle. Kein Retten, kein stilles Ausgleichen. Ein erwachsenes Gegenüber, das Verantwortung bewusst einordnet.
Viele hoffen anfangs ein wenig, dass Prince Purpose den Drachen schon erledigt. Die komplizierten Gespräche. Die strukturellen Unklarheiten. Die Konflikte im Hintergrund.
Doch die Beziehung mit Prince Purpose ist Arbeit und ein Miteinander, und das meiste kann nicht implizit erledigt und erfüllt werden.
Und genau hier werden Grenzen wichtig. Gerade dann, wenn man ihn noch besonders toll findet.
Grenzen geben Orientierung. Sie klären, wofür man Verantwortung übernimmt – und wofür nicht. Sie helfen, rechtzeitig etwas zu sagen. Ruhig, klar und bevor Drama überhaupt enstehen kann.
Viele sinnorientierte Organisationen verlieren Menschen nicht wegen mangelnder Motivation, sondern weil sie zu lange stillhalten und Verantwortung tragen, die sie nicht tragen sollten. Studien zeigen, dass ambitionierte Startups und Impact-Organisationen besonders häufig an inneren Spannungen, ungeklärten Rollen und Konflikten scheitern. Gerade dort, wo viel Herz im Spiel ist.
Und ja:
Manche schießen Prince Purpose nach langer Enttäuschung innerlich ab. Schweigen eine Weile. Und entscheiden sich dann für den sicheren, etwas langweiligeren Partner.
Bevor es so weit kommt, lohnt sich etwas anderes.
Gib Prince Purpose und dir eine echte Chance und zwar aktiv.
– Benenne Arbeit, bevor sie selbstverständlich wird.
Was regelmäßig und ohne Abstimmung bei dir landet, gehört angesprochen.
– Kläre Zuständigkeiten, sobald neue Themen auftauchen.
Sonst wandern sie dorthin, wo jemand besonders engagiert ist, nicht aber immer dorthin wo es ausreichend Ressourcen gibt.
– Mach mentale Arbeit sichtbar.
Vorbereitung, Abstimmung und Spannungsarbeit zählen.
– Dokumentiere Entscheidungen.
Nicht zur Kontrolle, sondern zur Entlastung.
– Teile Ideen mit Struktur.
Transparenz schützt Beziehungen.
– Prüfe deine eigene Übernahmebereitschaft.
Nicht jede Lücke ist deine.
– Sprich Grenzen früh an.
Solange sie ruhig klingen.
– Halte Konflikte nicht allein aus.
Sie gehören in den Raum, nicht in deinen Kopf.
Sich einzubringen, ohne sich aufzulösen.
Zu bleiben, solange es trägt und dafür zu kämpfen, dass Erfolg möglich ist.
Es bedeutet auch zu gehen, wenn es nicht mehr stimmig ist.
Prince Purpose darf inspirierend sein.
Er darf auch überfordert sein.
Man selbst darf erwachsen bleiben.
Vielleicht ist das das eigentliche Märchen:
Nicht gerettet zu werden, sondern sich auf Augenhöhe zu begegnen.
Eure Santa mit Anna und dem FindingSustainia Team
Autorin
Mit-Gründerin
Santa ist internationale Umweltjuristin, Leadership-Coach und Mitgründerin von FindingSustainia. Als Mitglied des Climate Innovation Fund Stuttgart gestaltet sie systemische Strategien für skalierbare, regenerative Lösungen mit.
Ihre Arbeit verbindet Klimapolitik, emotionale Intelligenz und zyklisches Leadership, um Wandelträger:innen und Institutionen langfristig wirksam zu halten – auch inmitten von Komplexität und Krisen.
Unter dem Ansatz Be the System Shift™ begleitet sie gemeinsam mit Dr. Anna Katharina Meyer Programme, die Transformation auf individueller und systemischer Ebene ermöglichen – unter anderem mit Fortune-500-Unternehmen, der ESSEC Business School sowie Netzwerken des Club of Rome und SchuleWirtschaft.
Co-Autorin
Mit-Gründerin von FindingSustainia
Mit FindingSustainia steigert Anna die Wirksamkeit von Führungskräften in der nachhaltigen Transformation – durch starke Netzwerke, kollaborative Lösungsräume, Podcast-Impulse und Mastermind-Formate.
Anna ist Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und Mitglied im DIN-Expertenforum Sustainable Finance. Mit capacura unterstützt sie Impact Startups in ihrer Innovationstätigkeit.
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