Skills für Zukunftsgestalter
Santa Meyer-Nandi mit Dr. Anna Katharina Meyer
Wenn du dich für eine gerechtere, nachhaltigere Welt einsetzt – dann ist dieser Text für dich.
Wir haben diesen Beitrag geschrieben, weil wir merken: Viele Menschen in der ESG-, SDG- und Nachhaltigkeitsszene spüren, dass Künstliche Intelligenz (KI) kommt – und dass sie kommt, bevor wir wissen, wie wir mitreden sollen.
Aber genau das ist der Moment, in dem wir gebraucht werden.
Denn die Frage ist nicht mehr, ob KI kommt. Sondern:
Wer gestaltet mit? Und wer bleibt draußen, weil es zu technisch wirkt?
Unser Appell:
Wir dürfen dieses Feld nicht denjenigen überlassen, die nur in Effizienz, Kontrolle oder kurzfristigem ROI denken.
Wir – die mit Transformationskompetenz, mit systemischem Blick, mit menschenzentrierter Haltung – haben das, was es jetzt braucht.
Der neue Report „AI and ESG – An Introductory Guide for ESG Practitioners“ vom australischen National AI Centre, gemeinsam mit CSIRO und Alphinity Investment Management, spricht eine bemerkenswerte Wahrheit aus:
„Sie verfügen bereits über das nötige Wissen und die Fähigkeiten, um KI-Systeme verantwortungsvoll einzusetzen.“
Was damit gemeint ist? ESG-Praktiker:innen wissen, wie man Wirkung misst. Wie man systemisch denkt. Wie man mit Ambivalenz umgeht. Und wie man über lange Zeiträume Verantwortung übernimmt.
Die Beispiele im Bericht zeigen eindrucksvoll, wie viel Potenzial in diesem Zusammenspiel steckt:
Schutz vor finanzieller Gewalt: Die Commonwealth Bank nutzt KI, um missbräuchliche Mini-Zahlungen zu erkennen – ein Vorbote häuslicher Gewalt.
Reduktion von Emissionen: Durch intelligente Steuerung wird das US-Energienetz effizienter – KI erkennt Verbrauchsspitzen und optimiert die Verteilung.
Erhalt von Biodiversität: Australiens Kelpwälder werden mit KI-gestützter Satellitentechnik geschützt und regeneriert.
KI kann das, woran wir arbeiten, skalieren – im Guten wie im Schlechten. Der Bericht verschweigt nicht, was schieflaufen kann – und bereits mit großen Herausforderungen einhergeht:
KI-Modelle verursachen erhebliche Emissionen (Scope 3) durch energieintensives Training.
Intransparente Datenmodelle verschleiern Risiken in Lieferketten – statt sie sichtbar zu machen.
Generative KI kann nicht nur Inhalte erzeugen, sondern auch Desinformation, Diskriminierung und Überwachung befördern.
Es braucht uns, um diese Schattenseiten nicht zu ignorieren – sondern um sie zu gestalten.
Was bedeutet das konkret?
Viele fragen uns: Aber wo sollen wir anfangen? Wir sind doch keine Techies.
Deshalb teilen wir hier unseren Appell – und unsere Empfehlungen für alle, die Wirkung ernst nehmen:
1. Bringt KI ins Gespräch – ohne Angst vor Unwissen.
Fragt im Team oder der Organisation: Wo wird bereits KI genutzt? Wer entscheidet darüber?
2. Lest den Report in Etappen.
Schon das Kapitel „Why You?“ zeigt, wie stark unsere bestehenden Kompetenzen in der KI-Entwicklung wirken können. Hier geht's zum Bericht.
3. Sucht nach „AI for Good“-Beispielen – auch in eurem Feld.
Von inklusiver Bildung über Naturerhalt bis hin zu Arbeitsgerechtigkeit – überall entstehen inspirierende KI-Anwendungen.
4. Stellt unbequeme Fragen.
Wenn KI als „Lösung“ präsentiert wird: Für wen genau? Wer wird gehört? Wer wird ausgeschlossen?
5. Vernetzt euch mit anderen, die fragen statt performen.
Nicht die lautesten Stimmen sind die klügsten. Oft sind die besten Fragen gerade die, für die es (noch) keine Antwort gibt.
6. Schafft Räume.
Deshalb haben wir Tool Time – Eine AI Journey für Changemaker ins Leben gerufen.
Ein Raum, in dem wir gemeinsam lernen, reflektieren und gestalten – ohne Tech-Überforderung, mit Neugierde und Pragmatismus. Schau dir unser Angebot gerne hier an.
KI ist kein Spezialthema – sie wird Teil unserer Realität.
Die Frage ist: Wird sie auch Teil unserer ethischen, sozialen und ökologischen Verantwortung?
Wir glauben: Das geht – aber nur, wenn wir uns einmischen.
Nicht später, wenn es zu spät ist. Sondern jetzt.
Mit Neugier. Mit Klarheit. Und mit Haltung.
Wenn du Fragen hast oder Teil unserer Tool Time sein möchtest – melde dich gerne bei uns!
Autorin
Mit-Gründerin
Santa ist internationale Umweltjuristin, Leadership-Coach und Mitgründerin von FindingSustainia. Als Vorstandsmitglied des Climate Innovation Fund Stuttgart gestaltet sie systemische Strategien für skalierbare, regenerative Lösungen mit.
Ihre Arbeit verbindet Klimapolitik, emotionale Intelligenz und zyklisches Leadership, um Wandelträger:innen und Institutionen langfristig wirksam zu halten – auch inmitten von Komplexität und Krisen.
Unter dem Ansatz Be the System Shift™ begleitet sie gemeinsam mit Dr. Anna Katharina Meyer Programme, die Transformation auf individueller und systemischer Ebene ermöglichen – unter anderem mit Fortune-500-Unternehmen, der ESSEC Business School sowie Netzwerken des Club of Rome und SchuleWirtschaft.
Co-Autorin
Mit-Gründerin von FindingSustainia
Mit FindingSustainia steigert Anna die Wirksamkeit von Führungskräften in der nachhaltigen Transformation – durch starke Netzwerke, kollaborative Lösungsräume, Podcast-Impulse und Mastermind-Formate.
Anna ist Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und Mitglied im DIN-Expertenforum Sustainable Finance. Mit capacura unterstützt sie Impact Startups in ihrer Innovationstätigkeit.
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